DESIREE NOSBUSCH ÜBERS HEIMATSUCHEN UND ERWACHSENWERDEN

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Dieses Interview ist das allererste Knipsgespräch. Es stammt aus dem Jahr 2006 und war ein Auftrag der Zeitschrift Galore. Damals  ist es leider nicht erschienen. 

Berlin im Spätsommer 2006. Die Stadt wirkt ruhig. Siesta nach dem Sommermärchen.

M Du sprichst fünf Sprachen, in welcher fluchst du?

D  Luxemburgisch. (lacht) Das ist die Sprache die aus dem Bauch kommt. Ich fluche und ich rechne darin. Wenn ich in irgendeiner anderen Sprache addiere, kann es vorkommen, dass ich mich vertue. Sprachlich war es bei mir zuhause immer bunt gemischt. Wir haben parallel, teilweise sogar in einem Satz Französisch, Italienisch und Luxemburgisch vermischt. Ich habe eine italienische Mutter und einen luxemburgischen Vater und die beiden sprechen untereinander Französisch. Du musstest immer gucken wer im Raum ist und dann wusstest du, welche Sprache du sprichst.

M Ein Freund von mir hat ungarische Eltern, wenn er Ärger bekam hat die Mutter immer auf  Ungarisch geschaltet. Dann wußten wir, es ist ernst. In welcher Sprache meckerst du deine Kinder an ?

Wenn Sie Glück haben auf Luxemburgisch, dann verstehen sie es nicht. (lacht) Das ist bei uns Dreien auch so eine Mischung aus Englisch, Deutsch und  zum Teil Spanisch. Das ist die dritte Sprache meiner Kinder, weil wir seit ganz vielen Jahren eine Kinderfrau haben, die aus Guatemala kommt. Von meinen Sprachen sprechen sie leider keine. Damals, als Harald und wir noch als Familie zusammenlebten, haben wir uns für Deutsch entschieden, um eine Familiensprache zu haben. Der Vater meiner Kinder ist Österreicher. Im Nachhinein bereue ich das etwas und so habe ich unsere Kinderfrau ermutigt, Spanisch mit den Kindern zu sprechen. Das ist meinen Sprachen näher, vielleicht bekommen sie dann ein Ohr fürs Italienische und Französische.  

M Du lebst in den USA, arbeitest aber hauptsächlich in Europa, warum ?

D Gute Frage. Also zunächst einmal, weil der Vater meiner Kinder dort lebt. Aber auch weil ich da irgendwie nicht weg gekommen bin. Es gibt nichts was mich wirklich hält, aber es gibt auch noch nichts, was mich woanders hinzieht. Ich habe eigentlich eine große Sehnsucht nach Europa. Ich versuche seit Jahren den Ort zu finden in Europa, der vielleicht zu einem Zuhause werden könnte. Es gibt verschiedene Orte, die mich berühren und bewegen und mir etwas bedeuten, aber es fehlt immer der Teil, der es zu einem Zuhause machen könnte. Ich muss, glaube ich, Frieden mit dem Gedanken schließen, dass es Heimat für mich in der klassischen Form wohl nicht gibt. Ich bin als Wanderseele geboren, die ihre Heimat sucht und irgendwann suchend in der Kiste landet. (überlegt) Ich glaube, ich muss die Heimat in mir finden.

M Du hast kein Gefühl von Heimat, fühlst du dich immer und überall fremd?

D Nein, ich fühl mich nie fremd. Deshalb ist mir mein Leben lang Reisen so leicht gefallen. Ich bin wie ein Chamäleon. Ich steige aus dem Flugzeug und nehme, das haben mir Menschen gesagt, sehr schnell die Körpersprache und die Stimmung eines Ortes an. Ich bin nie Tourist. Nie.

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M Ich habe eine Freundin, die kommt nicht aus Deutschland und kannte dich nicht. Sie hat ein Bild von dir gesehen und spontan gesagt:  Oh, die hat bestimmt viel mitgemacht. Hat sie recht?

D Ja, sie hat recht, aber ich halte nichts davon, Therapie in der Öffentlichkeit zu betreiben. Das sind Dinge die nicht nach draußen gehören. Aber mir sind sicher Sachen widerfahren, vor allem in jungen Jahren, die nicht normal sind. Irgendwann musst du akzeptieren wer du bist und warum du Dinge zugelassen hast. Warum sie passieren konnten. Da ich immer jemand war, der sehr viel mit sich selbst ausmacht und nicht mein Leid  mit anderen teilt, habe ich viele Jahre hinter mir, die nicht einfach waren. Die Pubertät zum Beispiel.

M Da warst du ja schon mitten im Job. Du bist seit 30 Jahren im Geschäft, viel für eine gerade mal 41 jährige. Was bedeutet es Kinderstar zu sein ?

D Kinderstar zu sein hat mir persönlich nichts bedeutet. Aber ich bin in der Öffentlichkeit erwachsen geworden, da machst du deine Fehler vor den Augen aller und wirst dafür öffentlich zur Rechenschaft gezogen. Es hat einen Grund, warum Kinder so lange wie möglich Kinder sein sollten. Es gibt eine Zeit, in der man zu sich findet und erst dann geht man raus in die Erwachsenenwelt. Diese Zeit hatte ich nicht. Ich bin heute glücklich, dass ich das Gefühl habe, ich habe es gut überstanden und bin einigermaßen normal geblieben. So weit man das von sich selbst behaupten kann. Den Weg, den ich gegangen bin, würde ich für meine Kinder nicht zulassen.

M Das wäre meine nächste Frage gewesen.

D Nein, auf gar keinen Fall, denn du kannst keine normale Kindheit und Jugend haben, wenn du das tust was ich getan habe. Diese Sprüche, die ich auch ein Zeit lang von mir gegeben habe, alles sei normal, das stimmte natürlich nicht. Irgendwann schaust Du zurück und sagst: Das konnte gar nicht normal sein.

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M Hast du denn damals geglaubt, du hättest ein normales Leben ?

D Es war eher so ein Sich-nicht-eingestehen-wollen, dass es eigentlich nicht ganz so gesund ist, wie man lebt. Die Menschen draußen wussten irgendwann besser über mich Bescheid als ich selbst. Irgendwann verschieben sich die Bilder. Du denkst, wenn Gott und die Welt der Meinung sind, du bist – was war ich nicht alles: frech, altklug, aufmüpfig, ein Wunderkind – und das alles sogar in eine Zeitung schreiben, dann denkst du irgendwann, die haben Recht. In dir drin spürst du aber, dass das alles gar nicht stimmt.  Du rebellierst und weißt nicht wirklich gegen was. Da machst du Dinge, die du vielleicht sonst nicht tun würdest. Ausbruchsversuche. Da waren Projekte, die ich sonst vielleicht nicht gemacht hätte. Oder Reisen in Länder, wo keiner mich kannte. Ich hatte eine tiefe Sehnsucht danach, als die, die ich bin beurteilt zu werden und nicht als die, die ihre Nase auf einer Mattscheibe zeigt. Ich halte es für gefährlich, zu jung in eine Erwachsenenwelt geschubst zu werden.

M Ich erinnere mich an den Film „Der Fan“. Das war in den frühen achtziger Jahren ein großer Skandal. Du spieltest einen enttäuschten Fan, der sein Idol ermordet und aufisst. 

D Ich habe den Film angenommen weil er eine Geschichte erzählte, die ich sehr oft beobachten konnte. Diese völlige Glorifizierung eines Menschen in der Öffentlichkeit. Diese Hysterie habe ich immer wieder erlebt, als ich die Musikbox moderierte. Da standen junge Mädchen scharenweise vor den Studios in München-Unterföhring und ließen sich von irgendwelchen prominenten Musikstars nach der Show abschleppen. Am anderen Morgen standen sie dann traurig und verheult auf dem Hotelparkplatz. Ich fand das immer furchtbar. Dass der Film künstlerisch nachher anders wurde, als ich gehofft hatte und plakativ vermarktet wurde, ist eine andere Geschichte. Ich musste Frieden damit schliessen.

M Ich stelle es mir sehr schwer vor, wenn mit 16  – noch in der Pubertät –  der eigene Körper zu einem öffentlichen Thema wird.

D Ich hatte natürlich ein Problem damit, welches Mädchen hätte das nicht gehabt, schon wegen meiner Familie. Aber eigentlich war dieses Nacktsein von allen Verletzungen die kleinste. Wie im Nachhinein mit mir umgegangen wurde, das war eine Enttäuschung die ich schwer weggesteckt habe. Ich habe Jahre gebraucht um wieder vertrauen zu können.

M Warum warst du nicht geschützt vor solchen Dingen, du hattest ein Management?

D Hatte ich nicht wirklich. Man darf nicht vergessen, das Ganze ist viele Jahre her und da waren wir, was das Management von Jungstars anging, noch nicht so weit. Es gab ja auch niemanden wie mich.

h_18708409M Nach „Der Fan“ warst du plötzlich kein Kinderstar mehr, wie war die Zeit danach.

D Das war sehr schwer. Das soll jetzt keine Entschuldigung sein: zuhause war ich immer das nette intelligente Mädchen, das nur Einsen schrieb. Meine Eltern dachten, unser Mädchen wird sowieso Staatsanwältin. Ich bin damals gegen den Willen meiner Eltern von der Schule abgegangen. Also haben sie mich in die Welt geschickt mit dem Satz: Mach was Du willst, aber komm nicht weinen. Und das habe ich mir zu Herzen genommen. Nach dem Fan wurde ich beim ZDF gefeuert, ich war plötzlich nicht mehr kompatibel für das Vorabendprogramm. Ich war eigentlich auf dem Höhepunkt meiner Karriere und stand vor dem nichts. Zurück auf die Schule ging nicht, dann wäre ich ja zurückgekommen und hätte geweint. Also musste es weitergehen.  Aber so richtig befreien konnte ich mich erst aus dieser  ganzen Phase  meines Lebens als ich dachte: „Jetzt ist  mir scheißegal was aus mir wird. Und wenn ich putzen gehe. Nur das hier mache ich nicht mehr mit.“  Da habe ich meine Koffer gepackt und war stark genug zu gehen. Ich bin mit nur einer Tasche ausgezogen und habe bei Null angefangen. Und da fing mein neues Leben an.  (überlegt)  Da fing mein richtiges Leben an. Dafür musste ich in der Zwischenzeit 24 werden. Ich habe ganz lange dafür gebraucht.

M Wärst du ein gute Staatsanwältin geworden ?

D Ich glaube, ich wäre so ein brotloser Anwalt geworden, der immer die Schwachen verteidigt. Ich bin ein absoluter Gerechtigkeitsfanatiker. Wahrscheinlich hätte ich immer gesagt: Ihr müsst mich nicht bezahlen. Dann hätte ich immer tollen selbstgebackenen Apfelkuchen gehabt oder einen netten Schal gehäkelt bekommen. Aber ob ich damit überlebt hätte, weiß ich nicht

M Bist du eine Kämpferin?

D Es gibt einen Spruch, den ich, wenn ich Amerika jemals verlasse, mitnehmen  werde.  Der heißt: Choose your battles. An den glaub ich. Du musst dich irgendwann in deinem Leben entscheiden wofür du kämpfst. Ich bin früher für jede Ungerechtigkeit die Wände hoch gegangen auch wenn ich absolut nichts damit zu tun hatte. Aber irgendwann musst du deine Kräfte einteilen und merken, dass du nicht in jede Richtung schießen kannst. Ich glaube, ich bin schon eine Kämpferin.

h_18708414M Ich erinnere mich, du bist einmal bei der Versteckten Kamera reingelegt worden. Du hast einen vermeintlichen Franzosen interviewt, deine Fragen auf Französisch gestellt und Antworten in so einer Art Pidgin-Französisch bekommen.  Es war völliger Schwachsinn. Du hast trotzdem sinnvoll übersetzt.

D Das ist diese Live-Krankheit,  da ist dieses Rotlicht und es muss weitergehen.

M Um den Preis zu lügen?

D Nein, eigentlich nicht. Denn ich stand ja wie ein Trottel da. Der Redakteur, den ich im Kopfhörer hatte sagte immer nur Dinge wie: Sie können ja gar kein Französisch. Ich habe mir diesen Schuh angezogen. Ich habe gedacht, ich kann das wirklich alles nicht, aber ich bin auf Sendung und muss meinen Job fertigmachen. Ich hätte besser getan zu sagen: „Wisst ihr was, euren Scheiß könnt ihr alleine machen. Ich weiß was ich kann.“  Das würde ich heute sagen. Völlig bescheuert, aber irgendwie auch lustig. Heute kann ich drüber lachen.

M Und damals?  

D Damals auch –  aber ich habe mir schon die Frage gestellt, was machst Du da eigentlich: Für Rotlicht die Oma verkaufen?  (überlegt) Aber ich wollte auch den  Gesprächspartner gut dastehen lassen. Zwischendurch habe ich mir ja sogar eingebildet, ich hätte etwas verstanden. Ich kannte ja den Inhalt der Sequenz und ich wusste worum es gehen sollte. Ich bin ja in einer Sendung immer die,  die eher gegen sich selbst geht, damit der Gast gut dasteht. Bevor ich versuche, einen Punkt für mich zu sammeln, schaue ich dass der Andere genug bekommt. Das war der Motor.

M Macht das einen guten Moderator aus?

D Ich glaube, dass der Zuschauer das so nicht sieht. Es gibt ganz viele Moderatoren, die tun für einen Lacher alles. Ich sehe mich in der Rolle eines Gastgebers. Wenn ich einlade, nach Hause oder in meine Sendung, dann mach ich alles damit es dem Menschen der kommt gut geht. Sonst lade ich ihn nicht ein.

M Große Fernsehshows am Samstagabend sind völliger Mainstream, es geht darum möglichst vielen Menschen zu gefallen. Wo bleibst du da selbst?  Wie stehst du zu den Dingen die du machst?

D Deswegen mach ich das nicht mehr so oft. Die Nummer geht für mich nicht auf. Ich müsste soviel von mir aufgeben, um da richtig zu funktionieren. Ich lasse mich gerne auf Aufgaben ein,  zu denen ich stehen kann, bei denen ich mir treu bleibe. Wenn ich dann auf halber Strecke merke, dass anderes von mir verlangt wird, dann ziehe ich die Dinge natürlich durch, mach sie aber kein zweites mal mehr. Ich merke immer wieder, dass es gut ist wenn ich auf meinen Bauch höre. Sobald ich nur mit dem Kopf rangehe und eine Entscheidung treffe, weil es „so gut klingt“ und „weil es mal gut wäre mal wieder… „ , geht es nicht auf. Ich habe einen guten Draht zu meiner Intuition. Und ich werde auch meistens dafür bestraft, wenn ich nicht auf sie höre.

M Ist das oft passiert?

D Ganz lange nicht mehr. Aber jetzt dachte ich mal wieder: „ Ja,  Desirée sei doch mal ein bisschen schmerzfreier, andere machen das doch auch“  Das geht bei mir nicht auf.

M Du spielst auf „Wähl deine Hit“ an?

D Genau, ich stand total hinter dem Konzept. Ich kannte die Sendung aus Frankreich und fand die gut. Mein Bauch sagte mir: Du weißt, dass du ein Konzept aus Frankreich nicht so einfach übertragen kannst. In Deutschland gelten andere Regeln, es reicht hier nicht eine Sendung zu machen nur als Hommage an einen Künstler oder einen Beruf, an ein Können. Ein „du interessierst mich als Mensch“ reicht nicht für das Hauptabendprogramm.

M Ist das woanders anders?

D Ja, deswegen kommt mir Galore auch nicht wie ein deutsches Magazin vor. Wo gibt es das sonst, dass man einfach etwas über einen Menschen erfahren kann. Ohne dass der sich getrennt hat, ohne dass er gefangen genommen wurde oder jemanden betrogen hat. 

M Wie machen es die anderen Magazine?

D Wenn du ganz normal dein Leben lebst, kommst du in die Blätter nicht rein. Leider sind diese Magazine aber ein Gradmesser für die Entscheider in den Medien. Wenn du nicht drin bist, bist du uninteressant für viele Macher. In unseren Breitengraden bist du immer nur so gut, wie das letzte, was du abgeliefert hast. Hier zählt nicht das Gesamtwerk. Das Letzte was du gemacht hast war ein Flop? Dann bist du unten durch. Du fängst immer wieder von Null an. 

M Du wirkst immer so nett. Kannst du  eigentlich auch draufhauen?

D Ja, aber nie unter die Gürtellinie.

M Aber effektiv?

D Ich bin da sehr großzügig. Es gibt einen grünen und einen roten Bereich. Du kannst kurz in meinen roten Bereich, wenn Du dann wieder rüber in den grünen gehst. Nur wenn du die Linie nicht respektierst und dann mit beiden Füssen drin rum trampelst, dann ist Schluss. Respektvoll aber bestimmt.

M Du hast in Los Angeles Filmregie studiert. Wie kam es dazu?

D Ich habe mich dabei ertappt, dass ich oft etwas an Projekten auszusetzen habe oder sehr unzufrieden bin, mit dem was mir angeboten wird. Da habe ich gedacht: Ok, dann zeig, dass du es besser kannst. Oder zeig, dass du es gar nicht kannst. Die Schwangerschaften waren der optimale Moment, mich in die Uni zu setzen. In Amerika konnte ich  das auch ohne Abitur tun. Auf dem zweiten Bildungsweg. Ich habe gemerkt, dass das meine Zukunft ist. Regiearbeit vereint alles, was ich mir für meine Arbeit vorstelle, der Umgang mit Menschen und die grosse Liebe zum Geschichtenerzählen.

M Was hat du schon gemacht?

D Ich habe ganz still in LA einen Kurzfilm gemacht. Ice Cream Sunday. Ich habe ihn geschrieben, bin dann Klinkenputzen gegangen und habe ein Jahr gebraucht um das Geld zusammen zu bekommen. Dann habe ich den Film gedreht. Ich habe damit wichtige amerikanische Festivals gewonnen, Houston zum Beispiel  und auch in Italien war ich bei Festivals dabei, nur in Deutschland ist der Film nie angenommen worden. Das finde ich faszinierend und irgendwie auch traurig. Und wenn sie den Film genommen hätten um ihn zu zerreißen.

M Wie gehst du mit Schauspielern um?

D Ich behandele sie mit dem höchsten Respekt. Und ich gehe auf sie ein. Denn jeder braucht etwas anderes um zu seiner Höchstleistung fähig zu sein. Es gibt Schauspieler die brauchen Momente der Stille, andere kommen aus dem völligen Gewühl und sind trotzdem ganz bei sich.

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M Können deine Erfahrungen als Schauspielerin bei der Regie helfen?

D Natürlich. Deswegen gehen ja auch viele Schauspieler in die Regie. Du verbringst dein halbes Leben am Set, siehst wie die Dinge laufen und woran es zum Teil hapert. Das heißt natürlich nicht, dass du es besser kannst. Aber es entsteht der Wunsch, zu probieren, ob das nicht auch anders geht. Ich bringe keinen Schauspieler emotional an seine Grenzen, um ihn dann dort alleine zu lassen. Es gibt wenige Regisseure die dich da auffangen.

M Glaubst du, dass Frauen da sensibler sind?

D Nein, ich habe auch viele Männer erlebt, die sensibel sind. Es gibt unsensible Männer und unsensible Frauen. Das ist, denke ich, eine Frage wie sehr derjenige bereit ist jemanden an sich ranzulassen und auch eigene Schwäche zu zeigen. Ich glaube, Menschen die dich emotional hängen lassen, haben selbst große Angst vor eigenen Emotionen.

M Dein Traumfilm ? Geld spielt keine Rolle.

D Das Buch, das ich gerade mache. Das ist eine wahre, sehr skurrile Geschichte, die in den Endsechzigern in Österreich und Nigeria spielt. Es geht um eine Region Österreichs, die von der Stickerei lebte und unterzugehen drohte, weil niemand mehr die Stoffe kaufte. Die Rettung kommt erstaunlicherweise aus Afrika. Nigerianer kommen und ordern in großen Mengen Stickerei, nur dürfen die Waren nicht legal eingeführt und Gelder nicht ausgeführt werden. Also braucht es Boten für die Transfers und das ist die Geschichte von meinem Philip. Der stammt aus einer österreichischen Familie, aus schwierigen Verhältnissen und wird in diesem ganzen  Hin und Her, in diesem ganzen Wirrwarr erwachsen.

M Erwachsenwerden, ist das dein Thema?

D Ja, das hängt sicher mit meiner Geschichte zusammen. Und natürlich die Suche nach dem Weg. In diesem Film ist das eine tolle Mischung aus Komik und Tragik und Roadmovie.

M Also unterwegs sein?

D Genau – unterwegs sein. 

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